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Zeugen der Vergangenheit. Bildstöcke, Kreuze und Gedenksteineder Gemeinde Nordrach

Deportiert aus Nordrach

"Der Jüdische Friedhof in Nordrach" Geschichte - Dokumentation - Erinnerung

"Die Nordracher Höhenhöfe zu Mitteleck"

                    Chronik des Historischen Vereins Nordrach

13.01.2005

 

Die Mitgliedergruppe Nordrach wurde 2005 von 16 Personen gegründet. Wilhelm Oberle hatte dazu die Anregung gegeben. Er wurde zum ersten Vorsitzenden des neuen Vereins gewählt. 

Mai    2006

Herausgabe „Zeugen der Vergangenheit: Bildstöcke, Kreuze, Gedenksteine der Gemeinde Nordrach“ von Erich Herbst.

25.05.2006

Beteiligung am Bildstöcklefest
Renovierung eines Bildstöckles

         2007

Einweihung des Erinnerungsmals auf dem Grundstück des ehem. Lungensanatoriums Rothschild

12.04.2008

Veranstaltung: Die Juden in Nordrach - eine Erinnerungsarbeit

30.05.2008

Vorstandswahl: Herbert Vollmer zum neuen Vorsitzenden gewählt

  

26.03.2009

 Besichtigung ehem. Synagoge Kippenheim und Friedhof

19.05.2009

Vortrag von Dr. Cornelius Gorka „Nordrach, das schnellste Dorf der Welt“

 

Beteiligung am Bildstöcklefest
Renovierung eines Bildstöckles

01.09.2009

Sommerferienprogramm
Auf den Spuren der Höhenhöfe

27.01.2010

Buchpräsentation „Deportiert aus Nordrach“

von Uwe Schellinger, Rolf Oswald, Egbert Hoferer

26.02.2010

Der Vorstand beschließt im Gedenken an die Deportation der jüdischen Patientinnen am 29. September 1942 den 29. September jährlich als „Nordracher Geschichtstag“ zu gestalten.

19.03.2010

Nordrach im Spiegel der Schwarzwälder Post 1897-1960
Stichwortverzeichnis von Othmar Wolf

20.-

28.03.2010

Ausstellung "SS-Verein Lebensborn" vom Kreisjugendring Ebersberg

25.03.2010

Vortrag von Volker Koop „Dem Führer ein Kind schenken“  

 

Beteiligung am Bildstöcklefest
Renovierung eines Bildstöckles

20.05.2010

Vortrag von Dr. Gernot Kreutz „Kleindenkmale in der Ortenau“
und Thomas Laifer „Nordracher Schulgeschichte“

10.06.2010

Vortrag von Dr. Dieter Petri „Juden in der Ortenau“  

10.07.2010

Beteiligung am Lampionfest mit Quiz

26.08.2010

Sommerferienprogramm

Besichtigung Maile-Gießler-Hof

05.09.2010

Führung „Spuren jüdischen Lebens in Nordrach“  im Rahmen des Europäischen Tags der Jüdischen Kultur

21.10.2010

Vortrag von Uwe Schnellinger „Geknipste Gewalt“   

mit Fotografien zur Deportation von Juden aus Baden

 

Homepage im Internet

27.01.2011

Anmietung des Vereinsraums im Rathaus

26.03.2011

Exkursion zur Gedenkstätte „Vulkan“ in Haslach

 

Beteiligung am Bildstöcklefest
Renovierung eines Bildstöckles

28.05.2011

Wilhelm Oberle wird anlässlich seines 80. Geburtstags zum Ehrenvorsitzenden ernannt

29.09.2011

1. Nordracher Geschichtstag

„Zwischen Erholung und Propaganda – die Heilstätte Nordrach-Kolonie zu Beginn des Nationalsozialismus“

7.-

08.10.2011

Ausstellung historischer Fotos zum Thema

„Heilstätte Nordrach-Kolonie“ Personen und Bauten

07.05.2012

Öffentliche Präsentation des Projekts „Höhenhöfe“

13.05.2012

Eröffnung des Höhenhöfe-Wanderwegs mit einer geführten Wanderung

 

Beteiligung am Bildstöcklefest
Renovierung eines Bildstöckles

29.08.2012

Sommerferienprogramm

Ritterspiele auf Burgruine Geroldseck

23.09.2012

Geführte Wanderung zu den Höhenhöfen

29.09.2012

2. Nordracher Geschichtstag

„Zwangsarbeit im ländlichen Raum während des Zweiten Weltkrieges“

04.11.2012

Exkursion

nach Karlsruhe zur Ausstellung „Baden! 900 Jahre“

08.11.2012

Buchpräsentation

„Der Jüdische Friedhof in Nordrach“

 Von Uwe Schellinger, Egbert Hoferer, Rolf Oswald

18.03.2013

Foto-Ausstellung

„Zwangsarbeit in Nordrach“ vom 18. bis 22.März 2013

06.04.2013

Gedenkfeier zur Würdigung von Dr. Otto Walther als Gründer der ersten Lungenheilstätte und seiner Verdienste für das Heil- und Kurwesen. Referat Dr. Anna Niederberger. Umbenennung des unteren Teils der Schönwaldstraße in Dr. Otto Walther-Straße 

28.04.2013

Geführte Wanderung zu den Höhenhöfen

12.05.2013

Exkursion zum Kloster in Gengenbach

 

Beteiligung am Bildstöcklefest
Renovierung eines Bildstöckles

07.07.2013

Einweihung Epitaph Spitzmüller

22.08.2013

Sommerferienprogramm

Erkundung der Grube Segen Gottes in Schnellingen

15.09.2013

Geführte Wanderung zu den Höhenhöfen

27.09.2013

3. Nordracher Geschichtstag

„Die Pouponniere“ von Nordrach und die französischen Besatzungskinder nach dem Zweiten Weltkrieg

 Jan. 2014 Spendenübergabe von "Choco L" an den Historischen Verein

06.06.2014

 Jahresversammlung des Historischen Vereins Nordrach

01.08.2014

Veranstaltung zum Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren in Nordrach

26.09.2014

 

4. Nordracher Geschichtstag

Die Ortenauer Juden im Ersten Weltkrieg 1914-1918 und der "Dank des Vaterlandes"

 Okt. 2014

 Buchvorstellung "Schwarzwalddavos"

09.11.2014

 Einweihung einer Informationstafel am Jüdischen Friedhof

16.08.2016

Nordracher Sommerferienprogramm

In der Seifentruhe Elzach

Mit fünfzehn Kindern fuhren am Donnerstagnachmittag Mitglieder des Historischen Vereins Nordrach zur Seifentruhe nach Elzach. Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren nahmen teil, gestalteten eine eigene Seife und erhielten zum Abschluss das "Seifendiplom".

Adelheid Becherer, Monika Haiß und Ulrike Kleiser hatten im Jahre 2007 die Werkstatt "Seifentruhe" in Elzach gegründet und so wieder ein altes Handwerk aufleben lassen. Als die Kinder das Geschäft in der Hauptstraße von Elzach betraten, tauchten sie in eine Welt der Düfte ein. Hunderte von Seifen in allen Farben und diversen Formen füllen die Regale des ansprechenden Verkaufsraums.

Adelheid Becherer begrüßte die Kinder und erzählte zunächst die Geschichte der Seifensiederei. Sie erwähnte Theodor Armbruster, der im 19. Jahrhundert in Wolfach gelebt hat und den Heinrich Hansjakob in seinem Erzählband "Waldleute" als "Theodor der Seifensieder" beschrieben hat.

Auf einem kleinen Tisch lagen die Zutaten, mit denen man Seife herstellen kann: Rapsöl, Olivenöl‚ Rizinusöl und die getrockneten Samen und Früchte, die zur Herstellung der Öle benötigt werden sowie Wasser und Lavendelblüten und Duftöle. Adelheid Becherer erläuterte, wo diese Produkte herkommen und wie daraus die natürliche Seife hergestellt wird. Dann bekam jedes Kind ein Stück Rohseife und durfte diese in kleine Stücke raspeln. Nun konnten die Kinder die Zutaten auswählen, um ihre persönliche Seife herzustellen: Verschiedene Blütenblätter und Duftöle. Danach mussten sie die Masse gut durchkneten und in eine Form ihrer Wahl pressen. Mädchen wählten meist die Herzform, die Buben natürlich mit Vorliebe den Fußball. Die so geformte Seife benötigt nun noch mindestens drei Tage Lagerzeit, bis sie verwendet werden kann.

Nun prüfte Adelheid Becherer, ob die Kinder auch gut aufgepasst hatten. Ohne Probleme konnten die Kinder die richtigen Antworten geben und erhielten ihr "Seifendiplom". Nach dem Eintrag ins Gästebuch bedankten sich die Kinder für ein duftiges und lehrreiches Erlebnis in der Seifentruhe.

Auf dem Spielplatz der Elzacher Schule konnten sich die Kinder noch eine Stunde lang austoben und mit Brezeln und Getränken für die Heimfahrt stärken.

Die teilnehmenden Kinder erhielten ein Seifendiplom

16.10.2016

Vortrag "die ehemalige Reichsstadt Zell und die Stabgemeinde Nordrach" von Dr. Dieter Petri

Bildungswerk und Historischer Verein Nordrach bieten jedes Jahr gemeinsame Veranstaltungen mit historischen Themen an. Rund fünfzig Besucher waren am vergangenen Mittwoch ins Pfarrheim in Nordrach gekommen, wo Dr. Dieter Petri einen Vortrag über "die Reichstadt Zell und die Stabgemeinde Nordrach" hielt.

Petri erwähnte zunächst, daß die erste urkundliche Erwähnung von "Cella, Norderaha und Hademarsbach" in einer Besitzurkunde von Papst Innozenz II. aus dem Jahr 1139 nachgewiesen sei, wonach diese Orte als dem Kloster Gengenbach gehörig bezeichnet werden. Im Jahre 1365 erhielten Zell, Nordrach und das Harmersbachtal von Kaiser Karl IV. Ortsgerichte mit einem Schultheiß (der die Schuld benennt) oder einem Vogt (advocatus – Anwalt des Rechts). Der Abt von Gengenbach setzte den Schultheiß in Zell und zunächst auch den Vogt in Nordrach ein, später bestimmte der Zeller Rat den Nordracher Vogt.

Petri beschrieb in seinen Bericht vor allem die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Er skizzierte zunächst die Verwaltung, zu deren Aufgaben auch die Ausübung der Strafgerichtsbarkeit gehörte. Der Zeller Rat "Magistrat" wurde von zwei "Stett-Meistern" geleitet, die einzelnen Ratsmitglieder hatten einen Aufgabenbereich zu "meistern", um die öffentliche Ordnung zu gewährleisten, z. B. als Jägermeister, Hirtenmeister, Unzuchtmeister oder Ziegelmeister. Zell unterhielt auch ein Spital für Gebrechliche, die sich nicht mehr selbst helfen konnten und keine Angehörigen hatten. Es stand zunächst vor der Stadtmauer an dem Ort, wo sich heute das Gasthaus "Sonne" befindet. Im 30-jährigen Krieg wurde es von feindlichen Truppen angezündet und deshalb später oberhalb der ummauerten Stadt neu aufgebaut, ein Stadtrat war "Spitalmeister" für die Verwaltung.

Am Schwörtag, der alle zwei bis drei Jahre am Montag nach Dreikönig stattfand, mußten alle waffenfähigen Bürger der Stadt und der Stabgemeinden vor dem Zeller Rathaus erscheinen. Dort mußten sie die verlesenen Vorschriften akzeptieren und die Obrigkeit respektieren. Der Kirchgang an Sonn- und Feiertagen war ebenso geregelt wie die Heirat, der Kauf von Liegenschaften.

In steter Regelmäßigkeit trugen Vögte und Geschworene an den Schwörtagen die Forderung vor, die "Zauberey" und "Hexerei" zu bestrafen. Kinderlosigkeit, Mißernten, Unwetter und Seuchen im Stall wurden als Werk von Teufeln betrachtet, mit denen Männer, aber vor allem Frauen angeblich im Bunde standen. In der Zeit von 1598 bis 1653 wurden vom Zeller Gericht 33 Personen wegen Hexerei hingerichtet.

Petri berichtete dann über einige Streitigkeiten, die vor dem Zeller Magistrat verhandelt wurden. So hat der Nordracher Vogt Adam Feger ein 7-Batzen Stück, das unter den Tisch gefallen war, aufgehoben und für sich behalten. Weil er sich entschuldigte und das Geld zurückgab, durfte er aber im Amt bleiben.

Im Jahr 1646 forderten der Nordracher Vogt und seine Gerichtsleute, daß der Zeller Magistrat etwas gegen die "stinkende Milch" unternehmen solle. Die Zeller wußten aber auch keinen Rat. Es war wohl eine ansteckende Euterentzündung mit Colibakterien, vermutete der anwesende Tierarzt Dr. Wolf-Dieter Geißler.

Handel und Handwerk wollten die Zeller nach Möglichkeit bei sich in der Stadt behalten. Sie sahen es nicht gerne, wenn sich Handwerker in den Dörfern niederließen. So habe es Beschwerden über die Nordracher "Stümpler" gegeben, die nicht nur für den eigenen Bedarf Brot gebacken haben. Es gab mit Billigung des Zeller Magistrats aber doch Handwerker in Nordrach, darunter Säger, Müller, Flößer, Krummholz und auch zeitweise einen Pfannenschmied.

In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges mußten sich die Nordracher auch an den Schanzarbeiten in Offenburg beteiligen. Nach Kriegsende wurde Offenburg zusätzlich mit einem Palisadenzaun geschützt. Nordrach mußte zwanzig Baumstämme beisteuern.

Eine Begebenheit zum Schmunzeln: Die Nordracher Räte tagten im Gasthaus Stube und erhielten als Sitzungsgebühr ein Quantum Wein, das normalerweise aus den Einnahmen der Gemeinde bestritten wurde. Der Stubenwirt bekam in den Kriegsjahren aber offensichtlich den Wein nicht bezahlt, den die Räte üblicherweise bei den Sitzungen „becherten“. Die Gemeinde hatte wohl kein Geld dafür, weil sie ihre Einnahmen in den Kriegsbeitrag abgeben mußte. Deshalb verklagte der Gengenbacher Weinhändler Christman Schweiß im Jahre 1642 den Stubenwirt Hannß Ehler, der den Wein mangels Einnahmen nicht mehr bezahlen konnte.

Die Pfarrei Nordrach gehörte wie Zell bis 1806 zum Bistum Straßburg. In den Stabsgemeinden waren Weltgeistliche eingesetzt, die direkt dem Bischof unterstanden. Im Jahre 1631 warfen die Nordracher ihrem Pfarrer "Exzeße" vor, ohne diese konkret zu beschreiben. Mit seinem Nachfolger gab es 1636 wegen des Kleinen Zehnten (in Geld) und des Großen Zehnten (in Korn) Streit. 1675 beschwerte sich der Pfarrer beim Zeller Rat, weil der Nordracher Vogt Adam Feger ihm vorwarf, seinen Geißbock erschoßen zu haben. Weil Feger seinen Vorwurf nicht beweisen konnte, wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt, die auf Bitten des Pfarrers maßvoll ausfiel. Die Rechnung für die Nordracher Kirche wurde vom Zeller Stadtschreiber geführt.

Es überrascht sicherlich auch, daß ein Nordracher im Jahre 1622 (!) zu einer Wallfahrt zum überlieferten Grab des Apostels Jakobus nach Santiago de Compostela aufgebrochen ist. Christa und Georg Isenmann stellten 1639 beim Zeller Magistrat den Antrag, das Vermögen (50 Gulden) ihres Bruders, der sich siebzehn Jahre zuvor auf diese Wallfahrt begeben habe, unter sich aufteilen zu dürfen.

Dr. Dieter Petri schloß seinen Vortag mit der Bemerkung, "bei aller Kritik möchte ich die Kirche im Dorf laßen. Unsere Vorfahren haben, angeregt durch die Geistlichen, keinen Aufwand gescheut, um schöne Gotteshäuser zu errichten. Ohne diese wäre unsere Kulturlandschaft ärmer."

Stefanie Vollmer vom Bildungswerkteam dankte Dr. Dieter Petri für seinen intereßanten Vortrag, den er auch mit zahlreichen Fotos bereichert hatte, und überreichte ihm zum Dank flüßige Nordracher Spezialitäten.

Dr. Dieter Petri hielt einen Vortrag über die Reichsstadt Zell und ihre Stabgemeinde Nordrach

30.10.2016

Der Historische Verein für Mittelbaden tagte in Nordrach

Dr. Martin Ruch zum Ehrenmitglied ernannt – Festvortrag von Uwe Schellinger

Die diesjährige Herbstversammlung des Historischen Vereins für Mittelbaden e. V. fand am vergangenen Sonntag im Pfarrheim in Nordrach statt. Ca. 60 Personen aus mehr als zwanzig Mitgliedsvereinen nahmen daran teil.

Der Historische Verein für Mittelbaden e.V. zählt mit über 3.000 Mitgliedern und dreißig Mitgliedergruppen zu den größten Geschichtsvereinen Deutschlands. Das Vereinsjahrbuch "Die Ortenau" enthält lesenswerte Aufsätze zu regional- und lokalhistorischen Themen und einen umfangreichen Rezensionsteil. Der kostenlose Bezug ist im Mitgliedsbeitrag inbegriffen.

Präsident Klaus G. Kaufmann eröffnete die Herbstversammlung und stellte die Beschlußfähigkeit fest. Es folgten die üblichen Regularien mit dem Bericht des Präsidenten und der Kaßenbericht mit Kaßenprüfung. Der Redakteur des Vereinsbuchs "Die Ortenau" Dr. Martin Ruch wies in seinem Bericht darauf hin, daß im diesjährigen Band der Beitrag von Louis Schlaefli "Der Klerus von Nordrach in früheren Zeiten" enthalten sei. Der Schwerpunkt in diesem Jahr war "Unterwegs. Zu Waßer, zu Lande, zu Luft", darüber sind achtzehn Beiträge eingereicht worden. Das Schwerpunktthema im nächsten Jahr lautet "Kunst und Künstler", Redaktionsschluss ist der 1. März 2017.

Die Herbstversammlung 2017 findet am 29. Oktober in Schuttern statt, der Termin für die Frühjahrstagung ist noch offen.

Präsident Kaufmann dankte Renate Demuth, Brigitta Gerloff, Helga Hilzinger, Gerhard Jetschmanegg, Martin Lietzau und Detlef Wienholz für ihren Dienst in der vereinseigenen Dr.-Dieter-Kauß-Bibliothek mit einer Einladung zu einem gemeinsamen Eßen.

Danach beschloß die Versammlung einstimmig, Dr. Martin Ruch für seine bisher 17-jährige Tätigkeit als Redakteur des Vereinsbuchs "Die Ortenau" zum Ehrenmitglied zu ernennen. Präsident Kaufmann überreichte Dr. Martin Ruch die dazu bereits vorbereitete Ernennungsurkunde und dankte ihm für seine ausgezeichnete Arbeit.

Nach der Mitgliederversammlung stellte Herbert Vollmer, Vorsitzender der gastgebenden Mitgliedergruppe Nordrach, in seinem Grußwort die Nordracher Mitgliedergruppe vor, die jüngste in der Ortenau. Wilhelm Oberle habe den Anstoß zur Gründung des Vereins gegeben. Am 13. Januar 2005 fand die Gründungsversammlung statt und sechzehn Personen gründeten den neuen Verein, Wilhelm Oberle wurde der erste Vorsitzende.

Die Bilanz könne sich sehen laßen, meinte Vollmer weiter. Der Mitgliederstand habe sich auf 31 fast verdoppelt. Ein besonderer Schwerpunkt des jungen Vereins sei die Aufarbeitung der Nazizeit und der jüdischen Geschichte gewesen. Die Nordracher Höhenhöfe und die Standorte der Glashütten seien mit Informationstafeln versehen und ein Nordracher Höhenhöfe-Wanderweg beschildert worden. Zur Erinnerung an die Deportation der jüdischen Patientinnen und des jüdischen Personals halte der Verein seit 2011 einen Nordracher Geschichtstag ab, der zu einem Markenzeichen des Vereins geworden sei. Erst vor drei Wochen habe Rolf Oswald beim diesjährigen Geschichtstag das Buch "Meine Gedanken kreisen nur um Daheim" vorgestellt.

Rolf Oswald, der Autor des Buches, berichtete, wie der 116-seitige Brief von Andreas Doll, den dieser 1943 als Soldat in Rußland geschrieben hatte, schließlich von Helmut Gollwitzer im Jahre 1950 der Witwe Theresia Doll übergeben werden konnte.

Die Gemeinde Nordrach lud danach zu einem Empfang ein. Bürgermeister Carsten Erhardt stellte in seinem Grußwort die Gemeinde Nordrach vor, fand anerkennende Worte für den Nordracher Historischen Verein und lud anschließend zu einem Glas Apfelsecco mit Hefezopf ein.

Festvortrag

Uwe Schellinger blieb es vorbehalten, den Festvortrag zu halten, sein Thema: "Schabbos in Nordrach, die Wiedergewinnung der jüdischen Geschichte eines Schwarzwaldkurorts". Zunächst warf Schellinger einen Blick auf die "vielfältige und oft überraschende Geschichte Nordrachs", wie er sagte. Er erwähnte das Bergwerkswesen, die imposanten Bauernhöfe, darunter das Gasthaus "Vogt auf Mühlstein", die Land- und Forstwirtschaft, die Flößerei und – ganz prägend – den Kurbetrieb mit den Gründern Dr. Otto Walther und seiner noch berühmter gewordenen Frau Dr. Hope Bridges Adams, der ersten Frau in Deutschland mit einem medizinischen Staatsexamen. Er erwähnte Karl-Joseph Oehler, den ersten Flieger des Schwarzwalds, 1917 über Flandern abgeschoßen, und Jakob Baumann, der Maschinist des ersten Zeppelin-Luftschiffs, das 1916 über London abgeschoßen wurde. Nordrach wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als das "schnellste Dorf der Welt" bezeichnet. Allein diese, sicherlich noch sehr unvollständige Auflistung zeige, was der Kurort Nordrach an historischen Bezügen und Forschungsmöglichkeiten zu bieten habe, sagte Schellinger. Daß er heute gerade das Thema jüdische Geschichte aufgreifen könne, sei ein Beleg dafür, daß man in Nordrach dem unangenehmen Teil der eigenen Geschichte mittlerweile nicht mehr aus dem Weg gehe, und das verdiene Respekt.

Schellinger beschrieb, wie die Stiftung der Baronin Adelheid von Rothschild das von Dr. Hettinger erbaute Lungensanatorium im Jahre 1905 erworben hatte und 1907 den jüdischen Friedhof anlegen ließ. In den folgenden fast 40 Jahren sei eine große Anzahl jüdischer Frauen aus Deutschland und dem europäischen Ausland nach Nordrach gekommen und behandelt worden. Die antisemitische Politik der Nationalsozialisten habe das Haus bis in die Jahre 1941/42 relativ unbehelligt gelaßen. Am 22. August 1942 seien dann zunächst ältere Patientinnen ins Lager Theresienstadt deportiert worden, nur einen Monat später, am 29. September 1942, folgte die Deportation der letzten 27 Patientinnen und Angestellten, unter ihnen auch Chefarzt Dr. Nehemias Wehl. Kurz darauf habe der SS-Verein Lebensborn das Haus übernommen und das Lebensborn-Heim "Schwarzwald" eingerichtet, das einzige im Südwesten.

Mehr als sechzig Jahre lang, kritisierte Schellinger, seien die näheren Umstände der Deportation der Juden aus Nordrach weitgehend ungeklärt geblieben. Die Fachgruppe "Jüdische Geschichte und Kulturgeschichte in der Ortenau" habe zwar 1993 ausdrücklich die Forschungslücke der Geschichte der "Rothschild´schen Lungenheilanstalt Nordrach" erwähnt, geschehen sei jedoch nichts, die jüdische Geschichte in der Ortenau sei auch niemals Thema bei einer Hauptversammlung des Historischen Vereins gewesen, erst heute.

In Nordrach habe die jüdische Geschichte eine ganz besondere Relevanz, trotzdem habe man sich in Nordrach lange Zeit nicht damit beschäftigt. Dies habe auch daran gelegen, daß das Nordracher Gemeindearchiv bis Ende der 1980er Jahre nur dürftig geordnet war. Kreisarchivar Dr. Dieter Kauß sei es zu verdanken, daß die Akten und Archivalien bis zum Frühjahr 1994 geordnet wurden. Es habe nach Meinung von Schellinger aber auch Bestrebungen in Nordrach gegeben, die Erinnerungsarbeit zur jüdischen Geschichte – und damit untrennbar verbunden sei die Geschichte des Nationalsozialismus des Ortes – wenn nicht direkt zu verhindern, aber auch nicht sonderlich zu fördern.

Der idyllische Schwarzwaldkurort Nordrach sei für die Jüdinnen und Juden in der Lungenheilstätte Rothschild zu einer ausweglosen Falle geworden. Nach ihrer Deportation sei es auch auf dem Jüdischen Friedhof zu einer oder mehreren Zerstörungsaktionen gekommen. Sämtliche Grabsteine waren von ihrem Sockel gestürzt worden. Die Gemeindeverwaltung habe sich nach dem Krieg nur durch Druck von außen um den Friedhof gekümmert und die Grabsteine wieder aufstellen laßen.

Erste Ansätze für die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte seien erst in den 1980er Jahren erfolgt, als vereinzelte Schüler sich im Rahmen der "Bildstein-Aufsätze" mit der jüdischen Geschichte beschäftigten. Mentor dieser ersten Recherchen sei der Lehrer Hans-Georg Kluckert gewesen, der danach auch die ersten Preßeartikel verfaßt habe. Im Nordracher Heimatbuch von 1989 seien Rothschildsanatorium und Jüdischer Friedhof zwar knapp erwähnt, aber man finde absolut nichts über den Nationalsozialismus in Nordrach. Erst in der Rede, die Kluckert im Jahre 1991 anläßlich der Feierlichkeiten zur 100-jährigen Kurgeschichte Nordrachs gehalten habe, habe er die Vorkommniße um das Haus Rothschild und die Rolle des damaligen nationalsozialistischen Bürgermeisters Ludwig Spitzmüller angesprochen. Danach habe sich Kluckert aber wieder gänzlich zurückgehalten, diese erste Phase der Aufarbeitung endete also abrupt.

Irgendwann in den 90er Jahren habe ein Eisenwarenhändler bei einer Haushaltsauflösung eine große Meßingtafel entdeckt und mitgenommen. Die Inschrift lautete in Hebräisch und Deutsch: "Der edlen Stifterin dieser Heilstätte Baronin Adelheid von Rothschild, gest. 22. Juni 1935, zum ehrenden Gedenken". über den Förderverein Ehemalige Synagoge Kippenheim sei die Gedenktafel zurück nach Nordrach gekommen und 2003 unterhalb des Sanatoriums an der Straße angebracht worden.

Im Jahre 2007 sei an der Zufahrt zum Sanatorium ein schlichter Gedenkstein für die Nordracher Opfer aufgestellt worden. Die katholische und evangelische Jugend in Baden habe dieses gemeinsame Mahnmalprojekt auf den Weg gebracht. Seit diesem Zeitpunkt sei die Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte Nordrachs unter der Federführung von Egbert Hoferer und Rolf Oswald ein fester Bestandteil der lokalen Geschichtßchreibung und Erinnerungsarbeit des Historischen Vereins Nordrach geworden, der von Wilhelm Oberle und Herbert Vollmer 2005 gegründet worden sei. 2010 und 2012 seien zwei erste Buchpublikationen zur jüdischen Geschichte erschienen. Ein weiterer wichtiger Beitrag sei die Etablierung eines regelmäßigen "Nordracher Geschichtstags", der stets auf den Tag der Deportation der letzten Juden aus Nordrach terminiert werde. Gerade diese Geschichtstage, aber auch andere Veranstaltungen würden den Eindruck vermitteln, daß in Nordrach eine Art Ventil geöffnet worden sei. Nach vielen Jahren, in denen manches nicht angesprochen werden durfte, verschwiegen wurde, habe ein Emanzipationsprozeß eingesetzt, der befreiend wirke. Der Historische Verein Nordrach, der diese Themen nicht mehr verdränge, sondern bewußt integriere, biete dafür die Struktur.

Schellinger forderte zum Schluß den Historischen Verein Nordrach auf, sich nicht auf den verdienten Lorbeeren auszuruhen, und bot dazu die Unterstützung des Hauptvereins, auch seine eigene an.

Am Nachmittag bot der Historische Verein Nordrach den Tagungsteilnehmern drei verschiedene Programmpunkte an: Egbert Hoferer führte vierzehn Personen zur früheren Heilstätte Rothschild und zum jüdischen Friedhof. Rolf Oswald fuhr mit sechs Personen zur Fachklinik Klausenbach, wo er über Dr. Otto Walther informierte und Verwaltungsleiter Ulrich Ehret die Klinik vorstellte. Größtes Intereße fand die angebotene Wanderung zu den Nordracher Höhenhöfen und Altglashütten. Unter der Führung von Thomas Laifer wanderten zweiundzwanzig Personen zum früheren Schäfersfeldhof und Altglashütten.

Das Präsidium des Vereins

Dr. Martin Ruch wurde zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt

Rolf Oswald berichtete über das neue Buch "Meine Gedanken kreisen nur um Daheim"

 

 

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